Und wenn man an das Gute im Menschen glaubt...? (BORUSSEN)

Kulik, Dienstag, 20.09.2022, 10:25 ( vor 7 Tagen ) @ mailand71

Glaube ja, dass die entscheidende Nummer (wie doppeldeutig) bei der ganzen Sache seine neue Perle ist.

Ja, Maxi war immer der pflichtbewusste Terrier, der talentfrei die Außenlinie beackert hat. Aber ab und an wollte er auch mal mehr als der niederbayerische Arbeiter sein, einen Hauch CR7 einstreuen - da gab's dann mal blondierte Haare.
Als Manager war er im damals sportlich darbenden MG gut aufgehoben, da war nicht Edelboutique, sondern KIK angesagt. Äußerlichkeiten zählen nicht, wenn man ums Überleben kämpft. Maxi war wie der Dicke aus dem Kölner Tatort, wie heißt er noch gleich...? Schenk! Ein Schenk in jung. Einer, der sich nach getaner Arbeit erstmal eine Currywurst mit Pommes reinhaut, obwohl er natürlich weiß, dass es gleich zu Hause bei Mutti noch ein Schnitzel mit Gurkensalat gibt.

Dann kam der - von ihm maßgeblich erarbeitete - Erfolg. In der Branche heißt es plötzlich nicht mehr „kleines, dickes Eberl", sondern da wird er ernst genommen. Auch von smarten Managern, Sportdirektoren oder Erfolgstrainern über 1,80m. Von denen schaut er sich den Style ab, trägt Stone Island und Moncler, spricht vermehrt über sich in der dritten Person. Er übernimmt nicht mehr den Duktus seines langjährigen Lehrmeisters Hans „gehen Sie davon aus, junger Mann" Meyer, sondern arbeitet daran, „am langen Ende" sein eigenes Profil zu entwickeln - mehr zu polarisieren, mehr Genervt-sein, mehr Selbstverliebtheit.

Im Endeffekt holt Max Eberl in den letzten Jahren nach, was ihm früher als Spieler verwehrt gewesen ist: Erfolg zu haben, reich und anerkannt zu sein.
Und dass die Jungspunde mit Millionen auf dem Konto, weiblichen Groupies noch und nöcher und einem Lambo in der Garage mal durchdrehen, ist doch keine Seltenheit, oder?

Der Moment zum Durchdrehen war die Begegnung mit seiner neuen Flamme. Sie lässt Maxi wieder fühlen wie 16, Mutti, Schnitzel und Gurkensalat sind lange passe.

Kann man ihm das übel nehmen? Eigentlich nicht.

Nur wurde dem Moncler-Maxi plötzlich immer klarer, dass das beschauliche Mönchengladbach zu klein für ihn geworden war. Entweder es wächst mit ihm mit - nur mit externen Geldquellen wäre ein Angriff auf die Spitze möglich, das war ihm schon länger klar - oder er muss sich ein neues Umfeld suchen. Nochmal zurück in die Niederungen des Fußballs, den Abstiegskampf, möglicherweise zweite Liga in Sandhausen - das wollte Eberl nie mehr erleben, davon hatte er schon zu sehr an den süßen Früchten des Erfolgs genascht. Real, Juve, Barca, City - das ist die Welt, in die man eine Frau wie seine Sendrina ausführt, aber nicht nach Meppen an die Bratwurstbude.

Nun, was hättet Ihr alle empfunden, wenn Maxi im August/September 2021 gesagt hätte:

„Ich werde als Sportdirektor von BMG zurücktreten, weil es unüberbrückbare Differenzen gibt, wie dieser Verein sich entwickeln sollte. Ich bin für ein Ausreizen von 50+1 oder einen Börsengang, die Führung verweigert sich diesem Kurs strikt, der für mich allerdings alternativlos ist. Die Entwicklung ist so, dass ich uns ansonsten bald wieder da sehe, wo wir in den 2000er Jahren standen.
Ich akzeptiere die Entscheidung des Präsidiums, aber ich kann diesen Weg nicht mitgehen, weil ich ihn als große Gefahr für meine geliebte Borussia sehe.
Noch ein letzter Satz, den ihr nicht vergessen dürft, wenn ich in Zukunft vielleicht mal für einen anderen Verein arbeite, der sich den Gegebenheiten des Profifußballs anpasst - mag man sie auch noch so sehr kritisieren, aber sie sind wie sie sind - und ich dort versuche einen guten Job zu machen: Es war mir eine Ehre, für diesen Verein zu arbeiten!"

Das wäre Gradeaus gewesen! Hätte man ihm dann die (m.E. berechtigten) Vorwürfe machen können, denen er sich jetzt konfrontiert sieht? Nein, weil er einen straighten Weg gefunden hätte, statt seine Tränen-Nummer abzuziehen.

Aber was hätte die Lösung „mit Rückgrat" für den Verein bedeutet?

Hätte diese nicht zu einem gnadenlosen Machtkampf Eberl vs. Königs geführt? Wäre der Verein darüber nicht einer erheblichen Belastungsprobe ausgesetzt gewesen?? Wie schnell wären irgendwelche „Initiative"-Clowns wieder mit eingestiegen in die Diskussion???

Wenn man an das Gute im Menschen glaubt, hat Eberl das gewusst, dass die Wahrheit über seinen Abschied den Verein in seinen Grundfesten erschüttert hätte.
Und er nicht in einen Machtkampf mit Leuten einsteigen wollte, denen er viel zu verdanken hat (und - natürlich - es eine Alternative für ihn gab, die seinem Selbstverständnis eher entspricht: In Leipzig kann er „the new Eberl" sein und muss nicht mehr den kleinen, unermüdlichen Gallier geben, da locken CL-Diner und schöne Reisen mit der neuen Frau an seiner Seite. Da kann er ihr London, Mailand und Paris bieten und muss sich nicht in den Schlaf wälzen aus Angst vor Sandhausen und Meppen).

Nehmen wir an, an den Thesen ist was dran: Hätte Eberl mit seinem Dramolett dann der Borussia nicht einen letzten, großen Gefallen getan?


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