„Dubiose Geschichte" Vergewaltigung (BORUSSEN)

Kulik, Mittwoch, 17.06.2026, 13:02 ( vor 2 Stunden, 16 Minuten ) @ Kulik

Am 12. Januar 2010 kommt es zu einem Treffen der Parteien in Las Vegas. Ein erfahrener Mediator ist anwesend. Ronaldos Anwälte fahren in einer Limousine vor.
Als die Mediation beginnt, befinden sich in einem Raum Kathryn Mayorga und ihre Anwältin, im Nebenraum Ronaldos Anwälte. Im Flur davor nehmen Kathryn Mayorgas Eltern und ihr Bruder Platz.

"Ich war mit den Nerven am Ende", sagt Kathryn Mayorga über jenen Tag. Ihr Blick ist leer, die Finger ihrer rechten Hand streichen über ihre türkisen Ohrringe, "und völlig außer mir, dass er nicht erschienen ist. Dass ich nicht die Gelegenheit hatte, ihm ins Gesicht zu sagen, was ich von ihm halte, wie es mir geht".
Es sei dann so gewesen, dass der Mediator zwischen beiden Räumen hin- und hergelaufen sei. Um zu übermitteln, was die Gegenseite an Argumenten vorbringt, und letztlich um eine Summe auszuhandeln.

Ronaldos Anwalt Osório de Castro ist eigens aus Portugal zu dem Treffen angereist. Während der Verhandlung simst er mit seinem Klienten Ronaldo: "Der Mediator sagt jetzt, dass sie in Tränen aufgelöst und erschüttert ist, weil sie glaubt, dass dich diese Angelegenheit nicht interessiert und du ganz woanders bist. Bisher wurde nicht über Geld geredet, aber das wird kommen."

Ronaldo antwortet: "Okay".

47 Minuten nach der ersten SMS bekommt Ronaldo eine weitere Mitteilung aus Las Vegas. Diesmal ist es nur ein Betrag: "950.000 Dollar". Es ist offenbar die Summe, die sich die Gegenseite als Ausgleich vorstellt. Ronaldo schreibt zurück: "Das ist der Betrag?"

Osório de Castro antwortet: "Das ist ihre erste Forderung: Das sind 660.000 Euro. Wir akzeptieren nicht. Die Verhandlung geht weiter."

Ronaldo fragt nach: "Ist das zu viel?" Osório de Castro schreibt: "Ich glaube, ja. Ich glaube, wir schließen für weniger ab."

Ronaldo verlangt: "Es muss weniger werden!" Sein Anwalt antwortet: "Okay".

Vor der Tür sitzt Kathryns Familie. Sie hätten ihre Tochter weinen und schreien hören, sagen sie rückblickend. "Sie haben versucht, mir Sachen anzuhängen. Mich als eine Art Prostituierte darzustellen. Ich weiß nicht, wie seine Anwälte am Abend noch in den Spiegel schauen konnten", sagt Kathryn Mayorga.

"Ich bin fast wahnsinnig geworden", sagt Kathryns Vater. "Ich wäre am liebsten reingestürmt und hätte gesagt: Schluss hier jetzt, das war es, und hätte sie mitgenommen. Aber Kathryn wollte diese Verhandlung. Sie wollte keine Öffentlichkeit. Ich musste das respektieren."

Auch Kathryns Bruder Jason will sich noch sehr genau an den Tag der Mediation erinnern können. "Es war der blanke Horror", sagt er. "Ronaldos Raum war voller Anwälte, die lachten und scherzten. Und nebenan war meine Schwester, am Boden zerstört."
Wie seine Eltern, sagt Jason Mayorga, habe auch er ein schlechtes Gefühl gehabt. "Kathryns Anwältin wirkte überfordert. Und der Mediator ...", er sucht nach Worten, "wenn er bei Ronaldos Anwälten reinging, riss er Sprüche wie: 'Hey Jungs, ich bin zurück!' Es war widerlich."

Irgendwann habe sie nur noch auf dem Boden gelegen, schildert Kathryn Mayorga. "Ich war hysterisch, ich konnte nicht mal mehr reden." Ihre Anwältin habe dann dazu geraten, die Mediation zu stoppen. "Ich war eigentlich nicht in der Lage, das Papier zu unterschreiben. Aber ich wusste, noch mal würde ich das nicht durchstehen. Ich wollte einfach, dass das alles vorbei ist."

Am Ende des Tages schreibt Osório de Castro an seinen Mandanten: "Wir schließen endlich nach 12 Stunden ab, für 260.000 Euro. Dazu kommen die Kosten der Mediation, von denen ich dir schon erzählt hatte, plus einige Zahlungen an die Anwälte, die jetzt versuchen, den Abschluss zu formalisieren. Ich weiß, dass das viel Geld ist, aber ich glaube, es war der beste Ausweg und übrigens überhaupt nicht einfach zu bekommen."

Die Summe, die Ronaldo an Kathryn Mayorga bezahlen sollte, wurde in einer sogenannten "Settlement Memorialization" eingetragen: 375.000 Dollar. So viel verdiente Ronaldo damals bei Real Madrid in einer Woche.
Bis in die Sommermonate hinein verfeinerten die Anwälte die Einigung, feilschten um Absätze und Formulierungen. Es ging etwa darum, wie sich Kathryn Mayorga zu verhalten habe. Die Ronaldo-Anwälte drängten darauf, dass sie selbst Therapeuten seinen Namen nicht offenbaren dürfe. Nicht einmal über ihn schimpfen, so forderten es die Anwälte, dürfe Kathryn Mayorga. Und sie solle auch nicht im Kreis ihrer Familie über ihn sprechen. "Dem Ärger Luft zu machen und zu lästern", schrieb einer der Anwälte in einer Mail, würde eine schwer zu kontrollierende Stimmung erzeugen.

Nach den Recherchen des SPIEGEL wählten Ronaldos Anwälte für die 375.000-Dollar-Überweisung ein Konto einer Firma namens Tollin im Steuerparadies British Virgin Islands, die jahrelang Werbe- und Sponsoreneinnahmen Ronaldos bunkerte. Es sieht demnach so aus, als habe Ronaldo den Fall Las Vegas mit Sponsorengeldern bezahlt. Eine Anfrage des SPIEGEL dazu blieb unbeantwortet.


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