in memoriam Theo Weiß und Helmut Grashoff .. (BORUSSEN)

Vengo, Berlin Kreuzberg, Montag, 27.07.2026, 11:30 ( vor 1 Stunden, 28 Minuten ) @ sportsfreund
bearbeitet von Vengo, Montag, 27.07.2026, 11:39

Was würde er (Grashoff) wohl heute sagen wenn er manches hier liest?

Du hast eben den ersten Aufruf gegen Neonazis und Diskriminierung erwähnt. Ende der 1980er Jahre hast Du im Magazin „Nordkurve“ Namen von Gladbacher Fans veröffentlichtest, die Verbindungen zur rechten Szene haben. Ihr habt Euch damals ehrlich ausgetauscht. In den vergangenen Jahren gab es in Gladbach nun immer mal wieder Diskussionen um Zaunfahnen mit angeblich politischen Botschaften – ohne ehrlichen Austausch. Wie siehst Du das Thema „Politik“ in unserer Fanszene?
Wir haben uns auf den etwas faulen Kompromiss geeinigt, Politik habe im Stadion nix zu suchen. Wenn man aber sieht, wie viele Rechte es in und um Mönchengladbach gibt, ist diese Formel schon ein Erfolg gegen eine Unterwanderung. Braunschweig, Aachen, Bremen, Dortmund, es gibt viele Beispiele, wo auch heute noch Nazicliquen Einfluss nehmen wollen. Wir erleben ja gerade landesweit einen Rollback nationaler und fremdenfeindlicher Auswüchse. Da bleibt es immer wichtig, ob im Stadion oder außerhalb, den Mund auf zu machen und einzugreifen, wenn doch rechte Sprüche kommen. Nicht nur weil das dem Verein schadet, sondern weil rassistische und faschistische Tendenzen einfach menschnenverachtend sind.

Siehst Du die Gefahr eines Bruches in der Fanszene wie bei einigen der von Dir aufgezählten Vereine?

Ehrliche Diskussionen um politische Botschaften sind sehr wichtig, aber die Gefahr eines Bruchs in der Fanszene sehe ich bei uns nicht. Auch hier nochmals Danke an Helmut Grashoff, der damals unseren Aufruf gegen Neonazis sofort unterstützt und im Fohlen-Echo veröffentlicht hat, lange vor Fanclub-IG und Fanprojekt. Toleranz und Respekt sind eben fester Bestandteil von Borussias Tradition und in unserem Kodex verankert! Und unsere braunen Schafe kennen wir ja nach wie vor.

Generell hast Du Pionierarbeit im Kampf gegen Diskriminierung geleistet. Und das in einer Zeit, in der so etwas im Fußball noch kaum problematisiert wurde. Wie siehst Du die heutigen Bestrebungen von Fans, solche Tendenzen weiterhin zu bekämpfen?

Das hat sich im Kern alles gut entwickelt. Als in den frühen 80ern BAFF in Düsseldorf gegründet wurde, waren wir mit einer Borussia-Delegation vor Ort vertreten. Uns ging es damals wie den meisten anderen Fans um Rassismus und Nazis. Eine Gruppe aus Hamburg, genauer gesagt von St.Pauli, präsentierte dann einen umfassenden Katalog gegen die verschiedensten Tendenzen von Diskriminierung. Das war politisch richtig, aber taktisch viel zu früh und hätte beinahe den Kongress platzen lassen. Sexismus, Homophobie, Antiziganismus usw. waren damals noch nicht unsere Themen. Trotz aktuellem Rechtsruck hat sich das gesellschaftlich verändert. Und so hat sich das auch in den großen Fanszenen sehr positiv gedreht, es gibt überall Kampagnen und Aktionen gegen verschiedenste Diskriminierungen. Und die Dumpfbackenquote wird auch geringer.

Provokant gefragt: Dann ist die Maxime „Keine Politik im Stadion“ aus deiner Sicht aber nicht die ideale Lösung, oder?
Ich begrüße alle Bestrebungen, sich beim Fußball, wo Woche für Woche viel Volk zusammenkommt, Diskriminierungen entgegen zu stellen. Natürlich bedauere ich es schon ein bisschen, dass wir uns mit dem “Keine Politik im Stadion” eben auch manchmal einen Stein in den Weg gelegt haben. Aber ich sehe auch das Positive: Unsere gemeinsame Leidenschaft für Borussia verbindet uns alle – egal welcher Herkunft oder Handicaps, ob irgendeines religiösen Glaubens oder nicht, Männchen oder Weibchen, alt oder jung, hetero oder schwul/lesbisch oder was auch immer.

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Einst wart ihr Affen, und auch jetzt noch ist der Mensch mehr Affe, als irgend ein Affe. (Friedrich Wilhelm Nietzsche)


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