Polanski im Umgang mit Spielern und im Trainerteam (BORUSSEN)

Kulik, Samstag, 23.05.2026, 12:23 ( vor 8 Stunden, 40 Minuten ) @ Potowski

...wie schätzt Ihr Polanski von der Persönlichkeitsstruktur ein?

Bei vielen Trainern (und auch Spielern) hat man ja so eine Art Bauchgefühl, wie die so ticken. Bei Polanski fällt mir das extrem schwer.
Ist er der Archetyp des klassischen Fußballers, für den Einsatz und Zweikämpfe im Mittelpunkt stehen? Also so, wie er selbst kickte.
Wieviel Menschenfänger steckt in ihm? Wie hungrig ist er nach Weiterbildung und saugt neue Entwicklungen auf? Oder denkt er mehr in den Magath-Dimensionen, dass man Fußball nicht neu erfinden kann, sondern es immer nur um Basics geht? Also das „Ball rund muss in Tor eckig"-Denken, gepaart mit der Verachtung für die „Laptop-Trainer".
Oder was hat er sich wirklich von den Tuchels und Nagelsmanns abgeschaut?

Was man sagen kann, ist, dass er anscheinend ein riesiges Selbstvertrauen haben muss - so, wie er sich nie in Frage stellt. Das kann bei Spielern schon auch imponierend ankommen, wenn man sieht, dass da einer steht, dem selbst die größten Stürme nichts anzuhaben scheinen. Könnte man also anstatt fehlender Selbstkritik auch als Stärke sehen.
Was bei mir negative Schwingungen auslöst, ist, dass er mir in seinen Auftritten doch etwas „passiv-aggressiv" rüberkommt. Er hat für mich manchmal dieses Claude-Oliver Rudolph-mäßige – und wenn er so auch den Spielern gegenüber auftritt, würde ich nicht gerne zu Arbeit gehen.

In der BILD (ja, ich weiß, als Quelle eigentlich nicht zugelassen) finde ich v.a. die Passagen zur Kommunikation mit Spielern und im Trainerstab interessant - und es würde mich interessieren, ob da was dran ist:

Wen hat Polanski wirklich besser gemacht?
Der stabilste Borusse in der abgelaufenen Saison war Moritz Nicolas (27) - ohne seine 13 Zu-Null-Spiele wäre der VfL sicher abgestiegen. Der Keeper profitierte von sieben defensiv ausgerichteten Spielern, die Polanski als Sicherheits-Riegel vor ihm aufbaute - der Keeper blieb fast das ganze Jahr fehlerlos. Schritte nach vorn gemacht haben Jens Castrop (23) trotz zwei Roten Karten und Jahrhundert-Talent Wael Mohya (17). Ansonsten war Verlass auf Nico Elvedi (29), Kevin Diks (29) und über weiter Strecken Haris Tabakovic (31).
-> Für mich Quatsch. Ich sehe nicht, wen Polanski besser gemacht hat. Nicolas war vorher schon stark, Elvedi hat persönlich einiges geändert und ob Diks/Tabakovic seinetwegen im reifen Fußballalter besser geworden sind...? Naja. „Jahrhundert-Talent Wael Mohya" ist natürlich typisch BILD.

An wem ist Polanski gescheitert?
Anfangs stärkte der Trainer auffällig Florian Neuhaus (29), was angesichts der spielerischen Armut des VfL auch komplett sinnvoll war. Doch dann ließ Polanski seinen Top-Techniker fallen, ignorierte ihn am Ende vollständig. U-21-Nationalspieler Lukas Ullrich (21) kam unter Polanski auch nicht voran, im Gegenteil. Ganz schlimm war die zweite Saisonhälfte von Franck Honorat (30), der sich nicht mehr für Gladbach motivieren konnte - da hätte Polanski früher und härter knallhart durchgreifen müssen.
-> Auch Unsinn. Polanski hat Neuhaus nicht fallen gelassen; der hat einfach nichts gezeigt, was ihn unverzichtbar macht. Bei Honorat war die Langmut gegenüber seinen bocklosen Auftritten tatsächlich sehr hoch.

Wie verkaufte sich der Coach öffentlich?
Eigentlich ist das Klartext-Reden eine große Stärke von Polanski. Er kann die Dinge gut auf den Punkt bringen, verliert sich nicht in Phrasen. In dem Bemühen, sich immer vor die Mannschaft zu stellen, beging er aber gravierende Fehler: Gruselauftritte wie das 0:0 in Hamburg schönzureden oder beim späten 1:1 gegen Mainz zu erzählen, er hätte nie Angst vor einem Gegentor gehabt, wirkten lächerlich - zumal es gegen Mainz kurz vor dem Ausgleich schonmal geklingelt hatte, das war aber minimal Abseits.
-> Stimmt.

Wie war Polanski im Umgang mit den Spielern?
Unterschiedlich. Führungsfiguren wie Tim Kleindienst, Robin Hack oder auch Nico Elvedi nahm der Coach oft mit in seine Planungen, holte sich auch Feedback - stark! Aber: Mit anderen (schwächeren) Spielern sprach er manchmal wochenlang kein Wort, das führte zu Frust und Kopfschütteln in Teilen des Kaders.
-> Das wäre bedenklich, wenn's stimmt. Ein Trainer muss allen Spielern Wertschätzung entgegenbringen; das ist m.E. Grundlage für den Erfolg.

Wie entwickelte er sich im Trainerteam?
BILD hatte aufgedeckt, dass es bei der Roten Karte für Castrop in Wolfsburg Stress gab, weil Polanski als Einziger auf der Bank nicht sehen wollte, dass beim Flügelspieler komplett die Kräfte nachließen - da ignorierte er den Rat von Co-Trainern und Manager. Insgesamt war das Verhältnis wechselhaft, mal kommunizierte Polanski viel, mal gab es hinter vorgehaltener Sprüche der Assistenten wie: „Das hat der Trainergott so entschieden“.
-> So etwas kann natürlich mal rausrutschen und wäre an sich kein Drama, wenn man nicht Polanski bei seiner Außendarstellung die „Trainergott"-Attitüde zutrauen würde...


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