Kann ich nachvollziehen... (BORUSSEN)

Knach, Montag, 13.04.2026, 12:01 ( vor 2 Stunden, 58 Minuten ) @ Schorsch

Deine Trauer kann ich sehr gut nachvollziehen. Ob es eine normale Entwicklung ist, ein Generationen-Ding oder schlicht die Summe vieler kleiner Enttäuschungen, lässt sich schwer sagen. Fakt ist: Vieles fördert eher das Gegeneinander als das Miteinander, und das tut weh.

Wenn ich mir die Agenda des FPMG anschaue, die ja maßgeblich durch die Ultra-Gruppierung geprägt wurde, finden sich durchaus nachvollziehbare Punkte. Aber es gibt eben auch Forderungen, bei denen ich nur den Kopf schütteln kann.

Ein Beispiel, das mich besonders beschäftigt: die Forderung nach einem strengeren Umgang mit dem "Privileg Stehplatz-Dauerkarte". Wir haben seit über 20 Jahren zwei Dauerkarten. In dieser Zeit sind unsere Kinder groß geworden, und irgendwie haben wir es stets hinbekommen, dass beide Karten genutzt wurden. Der Zweitmarkt hat dabei vieles vereinfacht. Mittlerweile kaufe ich vier bis fünf Mal pro Saison drei Sitzplatzkarten dazu und stelle eine Dauerkarte in den Zweitmarkt ein. Ich stehe, meine Frau sitzt mit den Kindern. Laut der besagten Forderung wäre das nicht mehr erlaubt, weil pauschal unterstellt wird, dass jedes über den Zweitmarkt angebotene Ticket von einem Eventgast kommt, der keine Dauerkarte verdient hat. Wenn man es genau nimmt, sorge ich eher für MEHR Stadion-Besucher als weniger!

Warum erzähle ich das? Weil es symptomatisch ist für das, was mich an dieser Gruppierung so stört. In nahezu jeder Diskussion schwingt unterschwellig mit, dass man selbst etwas Besseres ist und andere Lebensrealitäten schlicht nicht gelten lassen möchte. Wer nicht einen Großteil seines Lebens der Borussia widmet, hat gefälligst weniger Rechte. Überspitzt formuliert, aber nicht weit von der gefühlten Wahrheit entfernt. Im direkten Gespräch mit einzelnen Personen kommt das selten so an. Ich habe schon gute Diskussionen geführt, und grundsätzlich sind die meisten echt nett. Sobald die Ultras als Gruppe kommunizieren, ist es leider fast immer spürbar. Da wird vorgeschrieben, dass man sich in Leipzig kein Würstchen kaufen darf, obwohl das eher den Caterer trifft als den Verein. Und gleichzeitig sieht man auf dem Weg ins Stadion die Red-Bull-Dose in der Hand.

Es ist eine merkwürdige Zeit. Aber erst einmal zählt der Klassenerhalt.


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