Gute Einschätzung von Bernd Krauss (BORUSSEN)

EkelAlfred, Mittwoch, 04.03.2026, 10:18 ( vor 10 Stunden, 23 Minuten ) @ Bap

Bernd #Krauss kennt die #Borussia wie kaum ein anderer. Unter seiner Leitung gelang 1995 der letzte Titelgewinn. Bei SPORT1 analysierte er jetzt die aktuelle Situation.

Überrascht ist er von der aktuellen Entwicklung nicht. Seit Jahren erkennt er die selben Muster. „Das Abwehrverhalten ist eine Katastrophe. Häufig herrscht sogar Überzahl, dennoch fehlt es an Entschlossenheit im Zweikampf. Aus dem Mittelfeld kommt zu wenig Torgefahr und vorne ist man stark von einem einzigen Stürmer abhängig. Diese Mannschaft ist leicht auszurechnen. So wie die verteidigen, braucht in meinem Alter keiner ein neues Knie."

Die Problem sind für ihn nicht alleine taktischer Natur. Er sieht Defizite in der Kaderzusammenstellung, in der Mentalität – und in der Hierarchie innerhalb der Mannschaft. Verantwortung werde zu selten übernommen, weder individuell noch kollektiv. Wintertransfers hätten die Probleme allerdings nur bedingt beheben können. „Oft bekommt man Spieler, die anderswo keine Rolle mehr gespielt haben – oder man braucht großes Glück“, sagt Krauss. Letztlich sei vieles eine Charakterfrage.

Für Krauss spiegelt die Tabellensituation die fehlende innere Stabilität wider. „Wenn der zentrale Angreifer nicht trifft, gleicht das niemand aus. Mit der nötigen Mentalität wäre man gar nicht erst in diese Lage geraten. Ich erkenne derzeit auch keinen klaren sportlichen Impuls. Es bleibt die Hoffnung, dass es in der Liga noch schwächere Teams gibt – und dass sich Führungsspieler finden, die Verantwortung übernehmen – hinten wie vorne“.

Grundsätzlich nimmt Krauss Trainer Eugen #Polanski in Schutz. „Ein Coach aus den eigenen Reihen kennt Verein und Strukturen, das ist ein Vorteil. Die Entscheidung für Polanski ist daher nachvollziehbar gewesen. Dass der Trainer nun in der Kritik steht, ist Teil des Geschäfts. Polanski muss jetzt klare Kante zeigen“, fordert Krauss. Klare Ansprache, konsequente Trainingsarbeit und notfalls auch unbequeme Maßnahmen seien unerlässlich: „Die Spieler müssen lernen, über den Punkt hinauszugehen.“

Auch die jede Saison wiederkehrenden Trainerdiskussionen ordnet Krauss ein. „Wenn sie regelmäßig aufflammen, liegt das nicht ausschließlich am Coach. Es fehlen in Gladbach echte Typen, die auch einmal anecken. Aber die fehlen ja eigentlich überall. Mit Chorknaben gewinnt man nichts. Die Verantwortung darf zudem nicht auf einzelne Schultern verteilt werden. Rocco Reitz ist ein großes Talent, mutig und unbekümmert. Doch genau diese Unbekümmertheit leidet, wenn zu viel Last auf jungen Spielern liegt."

Ein möglicher Abstieg wäre gravierend. „Sportlich und finanziell eine Katastrophe“, warnt Krauss. Die Fans würden zwar bleiben, doch mit dem aktuellen Kader sei eine schnelle Rückkehr keineswegs garantiert.

Was ihn am meisten störe, sei das Fehlen elementarer Tugenden: „Rennen und kämpfen. Ein bisschen Fußballspielen reicht nicht. So würdest du in zig Jahren nicht wieder aufsteigen.“

Und dennoch bleibt ein Rest Zuversicht. „Ja“, sagt Krauss, „ich habe noch Hoffnung – dass wir in der Liga bleiben.“

📷 DPA


gesamter Thread: